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Lauenburg Eröffnungsrede:

"ILLUSION DROP SHOP FEAT.
NICOLAS FREITAG
LIGHTBOX"
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Rezension erstellt von Eva Albrecht>>


Reden über Kunst - Hier Eröffnungsrede

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst!

Mein Name ist Nicolas Freitag. Ich bin der Künstler und möchte Ihnen hier/heute meine Arbeiten näher bringen.
Bei Eröffnungsreden, gerade jetzt, hier, in dieser Jahreszeit, muss ich an einen berühmten deutschen Künstler denken, der seine Semester-Eröffnungsrede immer mit dem Brunftschrei eines Hirsches begann.
Wer war es ?
Ich werde diese Rede jetzt so nicht beginnen sondern mit einem kurzen, aber etwas zu langen Schweigen.
-
Um Ihnen die Arbeiten näher zu bringen, möchte ich gerne einige Geschichten aus meinem Erleben mit Kunst erzählen. Diese Geschichten haben mich bewegt,
wobei ich anmerken muss, dass ich sie aus der Erinnerung erzähle, weshalb ich keine Gewähr für deren Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen kann.

Die ersten Bewegungen in der Kunst habe ich in einer Zeit gemacht, in der die Neuen Wilden aus Berlin und deren Vorstreiter wie Baselitz, Immendorf oder Lüpertz das Kunstgeschehen mit ihren Pinseln dominierten.
In dieser Zeit (1992) besuchte ich auch meine erste Documenta, auf der ich auf der letzten Seite der Kataloge (es waren 4 an der Zahl) eine Gute-Nacht-Geschichte für Maler las, die ich hier kurz zusammengefasst schildern möchte. In der Geschichte geht es um einen Maler, der eine große Ausstellung in einer renommierten Galerie hat. Für diese Ausstellung kauft sich der Maler einen großen Satz neuer Farben, eine riesige Leinwand, ein neues seidig glänzendes Malmittel und macht sich fröhlich ans Werk. Am Anfang freut er sich noch über den frischen Glanz auf dem entstehenden Bild, doch nachts fliegen immer wieder Fliegen auf das Bild, die er morgens wieder übermalen muss.
Er malt tagelang, die Malschichten werden immer dicker, die Fliegenknüddel immer größer. Am Tag vor der Ausstellung betrinkt sich der Maler abends in einer Bar. Da er das Licht in seinem Atelier angelassen hatte, flogen des Nachts weitere hunderte von Fliegen und ein Schwarm Motten auf das Bild. Am nächsten Morgen übermalte der Künstler das Bild mit den restlichen Farben und Malmitteln. Bevor das Bild zur Ausstellung abgeholt wurde, gab er ihm noch den Titel „Big Brown Shit“. 
- Das Bild wurde noch aus der Ausstellung verkauft und der Maler schlief drei Tage durch.
Dies war so eine Geschichte, die mich bewegt hat.
Eine weitere Geschichte ist die eines Künstlers, der zu einer Ausstellung zum Thema „Home – Zuhause“ eingeladen wurde, und dessen Arbeit darin bestand, sich und seiner Familie von dem Museum ein Eigenheim ohne Rückerstattung schenken zu lassen.
Die Wogen der Empörung gegen den Künstler und seine Arbeit schlugen so hoch, dass sich die Presse mit Kommentaren überschlug.
Dies führte dazu, dass die Einnahmen aus den Buchverkäufen, Tantiemen und Eintrittsgeldern zu der Ausstellung so hoch waren, dass man dem Künstler 3 Häuser hätte kaufen können.
Eine fette Rendite für das Museum, welches aus den Einnahmen seinen gesamten Jahresetat bestritt.
Der Künstler bewegt die Medien bis es popt.

Eine Win-Win-Win-Geschichte ?

Aber geht es um Gewinnmaximierung oder vielmehr um Wahrnehmung ?

Noch eine Geschichte:
Zu Wahrnehmung und Bewegung oder die Geschichte vom romantischen Wasserfall.
Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer Ausstellung und plötzlich hören Sie außerhalb der Ausstellungsräume das Geplätscher eines Wasserfalls. Sie schauen aus dem Fenster, und dort rauscht direkt vor Ihnen dieser wunderschöne romantisch anmutende Fall einen kleinen Hügel hinab. Sie gehen nach draußen um diesen Wasserfall aus der Nähe anzusehen, umrunden ihn und stellen fest, dass hinter dem Fall eine riesige Maschine wirkt, die nach und nach die benötigten Wassermassen auf einem Förderband nach oben transportiert.

Oder die Geschichte von dem Ausstellungsbesucher, der Bilder wunderschöner Bergmassive betrachtet und dann feststellt, dass auf den Titeln rechts neben den Bildern „Absturzstellen“ steht.
Die eben noch wunderschönen Bilder verwandeln sich vor unseren Augen in Horrorszenarien.

Und dann die Geschichte von einem unbekannten Künstler, der kurzerhand einfach sein eigenes Museen gründete mit Briefpapier, Aufsichtsrat und allem, was sonst noch so zu einem Museum gehört.
Exponate des Museums sind alle Bilder, die er zum Thema „Adler“ gefunden hat.
Damit hat er in einem Zug die Rolle des Museum als Ort künstlerischer Wertschöpfungsmaschinerie und das Herrschaftssymbol Adler in Frage gestellt.

Allen diesen Geschichte ist eines gemeinsam: Durch Bewegung im Kopf oder physisch- das „Auf-Etwas-Zugehen“ – gedanklich oder physisch- kann bewirken, dass sich eben noch sicher Geglaubtes in etwas Anderes verwandelt.

Im besten Fall in etwas Poetisches ?

Für mich ist diese Bewegung im Laufe meines künstlerischen Schaffens immer wichtiger geworden.

Herzlichen Dank für die Möglichkeit zu dieser „Lightbox“ und die Mitarbeit und Förderung dieser.

Fragen bitte ich jetzt zu stellen
 -
JETZT IST GUT und die Ausstellung ist eröffnet.

Nicolas Freitag


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