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© 2005 VG Bild-Kunst
die Autoren, die Fotografen
Nicolas Freitag


Texte:

Eröffnungsrede
Schule macht Kunst
macht Schule


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Mars (Pressetext)

Taucookiedealer


Wie"real" real,- ist
Raimar Stange im Katalog
"Schauland" 2002

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Installation:

"Kunst macht Schule macht Kunst“
Liebe Freunde der Kunst

In der Kunst im öffentlichen Raum Ausschreibung der Grund- und Hauptschule Schwarzenbek Nordost ging es um die Ausgestaltung von zwei Wandflächen in der Mensa.

Eigentlich ist meine Arbeit hier getan, die Farbe ist trocken und die Kunstwerke hängen an den Wänden.

Normalerweise würde ich es an dieser Stelle einem Kunsthistoriker überlassen einführende Worte zu sprechen.

- Aber dieses Mal ist es etwas Anderes.

Es ist mir wichtig, persönlich über das Entstehen dieser Arbeit zu reden,
da das gemeinsame Erarbeiten der Gestaltung einen wichtigen Teil
das Kunstwerkes ausmacht.

Doch zunächst die Grund-Konzeption:

An welches Essen denken Sie, wenn Sie Gelb sehen?
An welche Musik denken Sie, wenn Sie Spaghetti essen?
An welches Gericht denken Sie, wenn Sie Pop hören?

Was ist roter Spaghett-Pop?

In der Cafeteria überlagern sich verschiedene Erlebnis-Ebenen

Minteinander-Reden
Entspannen
Essen
Trinken
Manchmal auch Musik-Hören oder die Einweihung eines Kunstwerkes

Diese Ebenen des Raumes bilden in dem Konzept die Grundlage.

Es verbindet sie zu einer Gestaltung, die sich in die bestehende Situation einfügt und diese um eine visuelle künstlerische Ebene erweitert.

Alles begann damit, dass Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde der Schule Grundbegriffe aus der Malerei und der Musik wie beispielsweise Pop oder Pinsel sammelten.
Diese Begriffe wurden mit Hilfe von Schablonen in unterschiedlichen Schriftarten auf zuvor von uns vorbereiteten farbigen Leinwänden aufgebracht.

Auf diese Bildträger malten die Schüler, einige Lehrer und Eltern dann zu den Themen Lieblingsessen, Lieblingsfarbe, Lieblingsgetränk oder Lieblingsgemüse
ihre Bilder.

– diese Bilder
Aber diese Bilder sind letztendlich nicht nur die Summe dieser Teile,
sondern die Arbeit ist auch die Summe von kleinen Geschichten, Begegnungen und gemeinsamen Erfahrungen, die wir miteinander machen durften.
Fangen wir `mal ganz von vorne an.

Ich hatte Plakate vorbereitet, auf denen mein Kommen und die Konzeption der Arbeit angekündigt wurde-

und ich wurde bereits beim Betreten der Schule gefragt,
was denn Etüde sei  ?-

Meine Plakate waren in ihren Worten wohl eher an Erwachsene gerichtet.
-
So musste ich am zweiten Tag durch die Klassen tingeln, um Werbung für das Projekt „Ausgestaltung der Wände der Mensa“ zu machen.
Hier tauchten neben den Ausführungen zu unserem Vorhaben erste Fragen zum Thema Kunst und Künstler-Sein auf,wie zum Beispiel:

Sind sie reich?
-
Hängen Sie auch schon im Museum?
-
Wo steht Ihr Rolce Royce ?

- mit oder ohne Chauffeur?

Haben Sie viele Frauen?
-

Doch trotz dieser vermeintlichen Anfangsschwierigkeiten sammelten wir gleich in der ersten Woche weit über 100 Wörter aus Malerei und Musik,
 was mich hoffen ließ.

Dann ging es an den Teil des Kunst - Machens, den Karl Valentin mit
 „macht aber viel Arbeit“ beschreibt.
Ich muss ehrlich zugeben; ich hatte vergessen –oder  besser verdrängt-, wie viel Arbeit es macht, 100 Leinwände auf Holz zu spannen und dann auch noch etliche Male zu grundieren . -

Ohne die Mithilfe der Kinder, die, nachdem sie auf einem Versuchskeilrahmen das Nageln geübt haben, vom Aufnageln der Holzplatten auf die Keilrahmen bis zum Tackern der Leinwände bei allen Arbeitsschritten mitgemacht haben,
wäre ich an dieser Stelle wohl verzweifelt.

Allerdings muss ich auch sagen, dass die Mithilfe nicht so sehr im effektiven, --d.h. schnellen Aufspannen und Grundieren der Leinwände bestand, da fehlt einfach die Übung, sondern vielmehr in ihrem offenen, interessierten, lebendigen Miteinander, was mir die Zeit wie im Flug vergehen ließ.



„Einige Sätze, die dieses sehr gut widerspiegeln:

Wenn wir hier jetzt so weiter nageln, dann sind wir hier an der Schule bald ein riesengroßes Bauarbeiter-Team.“

„Wenn ich hier jetzt so einen Nagel neben den anderen nagel und das so immer weitermache, dann ist das Bild bald Silber- geht das dann auch? – Könnte man das dann Essen?“

Es war eine wahre Freude, mit ansehen zu dürfen, wie selbstverständlich die Malerinnen und Maler an das ihnen gestellte Thema herangingen.

-Ich wurde jeden Tag mit kleinen Meisterwerken beschenkt.

Die Arbeit beinhaltet neben dem Spaß am Machen die unterschiedlichsten Sichtweisen.

An dieser Stelle könnte man ausführlicher über surrealistische Manifeste,
expressive Malerei,
konstruktive Malerei,
Farbfeldmalerei, realistische Malerei  sprechen und
eventuell könnte man in dem Moment, als mir der gelbe Liter-Farbtopf entglitt, und wie ein Wunder links und rechts an einer Schülerin vorbei spritzte auch noch über Performance sprechen.

Das werde ich jetzt aber nicht machen.

Ich wünsche mir grundsätzlich, dass der Geist des Miteinanders noch für möglichst viele folgende Schul- Generationen mit dieser Arbeit lebendig bleibt

und möchte sie ermutigen, die Arbeit auf verschiedenen Ebenen zu lesen:

-von hinten nach vorne
-vom Gegenstand zum Wort
-von der Performance zum Farbfeld
-von links nach rechts
-von oben nach unten
-von rechts nach links
-diagonal
-vom Festhalten zum Fließen
-von Farbe zu Duktus
-von Musik zu Malerei
-von Spaghetti zu Pop


Vielen Dank!